Nikolaus-Ausgabe am 6. Dezember

Seit unserer Premiere im September 2017 verlor Angela Merkel erst die Bundestagswahl und dann die Jamaika-Koalition, blieb trotzdem Kanzlerin und kündigte den Rückzug vom CDU-Vorsitz an. Der FC Bayern München wurde Deutscher Meister und steht jetzt auf Platz 5. Und die Deutschen erlebten erst einen Sommer, der sich irgendwie gruselig anfühlte, und dann einen Herbst, der sich irgendwie wie Sommer anfühlte. Mit anderen Worten: Es ist viel Zeit vergangen. Perspektiven haben sich verschoben, der Keim für etwas Neues ist gesät. Das gilt auch für vollehalle.

Die Idee von einigen wenigen, eine Show auf die Beine zu stellen und damit auf Tour zu gehen, ist zu einem Vorhaben gereift, an dem sich inzwischen drei Handvoll Leute beteiligen. Unser Plan ist, vollehalle zu etwas auszubauen, das nicht nur die Lust am Klimawandelwandel so in die Gesellschaft trägt, dass Veränderung möglich wird. Sie soll auch zu einer Sache werden, an der man sich mit Spaß beteiligen möchte, weil die Nachbarin, der Kollege und die Freundin auch schon mitmachen. Unser Ziel ist, die Ohnmacht aufzulösen, die wir alle gegenüber dem Klimawandel spüren, und in produktive Energie zu verwandeln. Wir gründen eine NGO mit Online-Plattform und einem BotschafterInnen für eine bessere
 Welt-Programm.

Um dieses Vorhaben vorzustellen, laden wir am 6. Dezember zu einer Nikolaus-Ausgabe an. Mit den Ideen derer, die zeigen, dass ein Engagement gegen den Klimawandel möglich ist, indem man zugleich das eigene Leben glücklicher und besser macht. Mit einem Alien, der hinter der wilden Treibhausgas-Party auf diesem Planeten einen größeren Plan vermutet. Und mit dem fröhlichen CO2beiner Karl-Heinz Kartöngle.

Ort: Panorama 3000, Kreuzbergstr. 28
Beginn: 19 Uhr 30

vollehalle bei Panorama 3000: neue Show, tolles Publikum

vollehalle bei Panorama 3000 — der Andrang hat uns selbst überrascht

Gestern Abend haben wir eine wiederum überarbeitete Version von vollehalle aufgeführt, in den Räumlichkeiten der Kreuzberger Agentur Panorama 3000. Im zentralen Freiraum des großen Büros steht eine Tribüne, die sich bestens für derartige Aufführungen eignet, und wir sind den beiden Geschäftsführern Thomas Praus und Sven Zimmermann sowie allen MitarbeiterInnen sehr dankbar, dass Sie uns in diesem großartigen Umfeld vollehalle aufführen ließen. Vielen Dank außerdem an Michael Weiß / Event-LED, die uns mit Ton- und Lichttechnik unterstützt haben.

Was uns außerdem besonders begeistert hat: Obwohl wir auf eher schmaler Flamme eingeladen hatten, gab es am Schluss über 90 Anmeldungen, und deutlich mehr als 60 Leute waren da! Wir hatten vielleicht mit der Hälfte gerechnet. Aber beklagen wollen wir uns nicht — im Gegenteil, es gibt nichts Besseres als vollehalle in einer vollen Halle aufzuführen! Hinzu kam, dass auch einige der Protagonisten unserer Show, die per Video-Einspieler dabei sind, gestern live vor Ort waren: Dietrich Brockhagen und weitere KollegInnen von Atmosfair, Mona Freundt und weitere KollegInnen von Fossil Free Berlin, außerdem Susanne Walter vom Verein Urbane Permakulturschaffende e.V.

Bei unserer Überarbeitungsrunde haben wir uns bemüht, viel Feedback einzubauen, das wir in unseren letzten Shows erhalten haben. Die Mühe war anscheinend gut investiert — das Publikum hat uns am Ende in einer engagierten Diskussion bestätigt, was wir gehofft hatten: Unsere Show wirkte abwechslungsreicher, unterhaltsamer und dabei zugleich persönlicher, als uns das bei früheren Aufführungen gesagt wurde.

Einen wesentlichen Anteil hatte daran unter anderem Michael Bukowski. Er war ganz neu dabei und hat mit drei Leseeinlagen, die dem Publikum eine komplett andere Sicht auf die Menschheit boten, der Show eine zusätzliche Leichtigkeit verliehen, die dem Rhythmus des Programms gut tat. Wir selbst hatten ebenfalls verschiedene neue Elemente entwickelt, die mehr Unterhaltung boten, und die offenbar auch funktioniert haben.

Insgesamt: ein runder Abend, der uns sehr glücklich gemacht hat. Und nun geht die Arbeit an vollehalle weiter — Ende kommender Woche, am 9.11., sind wir in Tempelhof bei den Kaffeeschwestern zu Gast und probieren aus, wie sich vollehalle in einem kleinen Café anfühlt.

vollehalle in Velbert: „Im Grunde sind wir selbst Suchende.“

Ein umgebauter Aldi in einer Kleinstadt in der Nähe von Wuppertal, etwa 50 Zuschauerinnen und Zuschauer – und das Spannendste passierte nicht während unserer Show, sondern bei der Diskussion danach. Anfang Oktober waren wir zu Gast in Velbert, wo bereits Anfang der 90er-Jahre ein paar zupackende Frauen und Männer nicht länger mitansehen wollten, wie das ehemalige Zuhause eines Discounters einfach nutzlos in der Gegend herumsteht. Also gründeten sie den Verein „Kunsthaus Langenberg e.V.“ – Langenberg ist ein Stadtteil von Velbert – und geben seitdem Musikern, Kabarettisten und Autoren ihre Bühne mit dem schönen Namen ALLDIEKUNST. Und danach stehen alle an der Bar im Eingangsbereich und stoßen an auf einen schönen Abend. An diese Bar wollten wir es natürlich auch schaffen.

Wir sind mit einer Version von vollehalle aufgetreten, an der wir den Sommer über gearbeitet und die wir ein paar Wochen vorher in Düsseldorf aufgeführt hatten: Wir wollen uns damit gleichermaßen den Spiegel vorhalten, der uns mit den Folgen des westlichen Lebensstils konfrontiert, wie Lust machen auf den Wandel, indem wir Menschen wie Bill McKibben und Mona Freundt von Fossil Free, die Permakultur-Enthusiastin Susanne Walter, den Atmosfair-Gründer Dietrich Brockhagen und den Mobilitäsforscher und Soziologen Andreas Knie präsentieren.

Die Botschaft, die wir im Sinn hatten: Der Klimawandel ist nur vordergründig eine Frage von Natur- und Umweltschutz. Tatsächlich geht es um die Frage, ob wir auf der Seite derer stehen wollen, die weiter glauben, dass nie endendes Wirtschaftswachstum mit all seinen Begleiterscheinungen zu unserem Leben gehören muss wie der Kater zur Silvesterparty? Oder ob wir uns lieber auf der Seite derer einfinden wollen, die überzeugt sind, dass, um im Bild zu bleiben, eine Feier ohne Kopfschmerzen auf den ersten Blick undenkbar scheinen mag, aber nicht unmöglich ist? Oder kürzer formuliert: Sind uns der Klimawandel und unsere Verantwortung so wichtig, dass wir bereit sind, dafür unser Leben zu ändern: Gewohnheiten umstellen, uns mit anderen zusammenschließen und nach außen sichtbar für eine andere Welt einstehen?

Die Diskussion, die sich an unser knapp eineinhalbstündiges Programm anschloss, offenbarte, dass es auf diese Fragen so viele Antworten und Ansichten gibt, dass ein Abend dafür nicht ausreicht. Ist es naiv, darauf zu hoffen, dass die Menschen weniger Auto fahren und Fleisch essen werden? Können Technologie und Digitalisierung es leisten? Kann uns eine CO2-Steuer retten? Was müsste passieren, damit sie kommt? Was ist mit den Arbeitsplätzen? Und was nützt es, wenn die Deutschen ihre SUVs in der Garage lassen, von denen sie offenbar nicht Finger und Füße lassen wollen, solange Menschen in anderen Ländern nicht weniger Auto fahren?

„Im Grunde sind wir selbst Suchende.“ So beginnt ein Artikel, der ein paar Tage später in der WAZ erschien. Das Zitat stammte aus der Diskussion und illustriert, dass wir vollehalle nicht machen, weil wir glauben, dass wir auf alle Herausforderungen bereits die passenden Lösungen gefunden haben. Sondern, weil wir neue Fragen stellen und gemeinsam mit unserem Publikum um die richtigen Antworten ringen wollen. Am Schluss landeten wir dann tatsächlich an der Bar und sprachen bei Bierkonsum über Fleischkonsum – so wie wir uns das ausgemalt hatten.

Uns hat der Auftritt großen Spaß gemacht, gerade wegen der kontroversen Diskussion im Anschluss. Umso mehr freuen wir uns jetzt auf die kommenden Auftritte, die bereits festgelegt bzw. in Planung sind. Am 30. Oktober präsentieren wir vollehalle in privatem Rahmen, am 9. November bei den Kaffeeschwestern in Tempelhof.

vollehalle: wieder da!

Am vergangenen Samstag hatten wir die Gelegenheit, auf dem Campfire-Festival in Düsseldorf einem kleinen aber feinen Publikum eine runderneuerte vollehalle Version 2.0 zu präsentieren. Wir haben die Show gegenüber dem vergangenen Jahr verschlankt, viel besser auf den Klimawandel fokussiert, und großartige neue Gesprächspartner eingebaut: Dietrich Brockhagen von Atmosfair, Andreas Knie vom WEZ, Susanne Walter vom Verein Permakulturschaffende und Bill McKibben von 350.org.

Im Ergebnis ist die Show nun nur noch eine gute Stunde lang — damit entsteht der Raum, im Anschluss mit den Gästen über die Themen von vollehalle zu diskutieren. Das Diskutieren hat in Düsseldorf leider noch nicht geklappt, weil sich der Zeitplan dort etwas verschoben hatte und wir der exzellenten Band CHOO CHOO Panini, die nach uns dran war, die Bühne geben mussten und sehr gern wollten. Aber wir haben einige neue Ideen aufgesammelt, die uns erlauben, die Show weiter zu verbessern. Und zugleich haben wir von den Gästen sehr ermutigendes Feedback bekommen.

Damit arbeiten wir jetzt weiter und bereiten die nächste Show Ende September in Langenberg/Velbert vor: Am 29.9. gastieren wir dort im „AlldieKunst“. Wer Ideen hat, wo wir mit vollehalle noch auftreten können — immer her damit, wir kommen überall hin, wo sich 15 oder 50 Leute für eine neue Sicht auf den Klimawandel interessieren.

vollehalle kehrt im September auf die Bühne zurück — in NRW!

Unser letztes Update stammt aus dem November letzten Jahres. Wir hätten uns in der Zwischenzeit natürlich schon mal wieder melden können … die Zeit verfliegt aber auch. Vor allem wenn man — wie wir — neben der beruflichen Arbeit auf den unterschiedlichsten Baustellen sowohl das inhaltliche Konzept von vollehalle weiterentwickelt, als auch versucht, eine Finanzierung über Fördertöpfe verschiedener Art aufzustellen (was alles andere als einfach ist).

Die entscheidende Neuigkeit heute ist aber: Wir kommen mit einer überarbeiteten vollehalle am 1. September und am 29. September wieder auf die Bühne! Anfang September beim Campfire Festival in Düsseldorf, Ende des Monats dann in Velbert bei Alldiekunst.

Für diese beiden Auftritten überarbeiten wir vollehalle, indem wir nicht nur neue Interviews drehen und neue Medien vorbereiten, sondern die Sache auch stärker auf Dialog ausrichten und mehr Partizipation und Interaktion vorsehen.

Wir freuen uns sehr, mit vollehalle wieder vor Publikum unterwegs zu sein. Und wer Freunde, Verwandte oder Bekannte in Düsseldorf oder Velbert hat, der kann ihnen gern Bescheid sagen, dass sie natürlich alle kommen müssen!

vollehalle – Update

Wenn ein Autokonzern einen Prototypen auf die Straße schickt, hofft er, dass ihn dabei möglichst niemand erwischt. Das Auto, das keiner sehen soll, nennt man Erlkönig, angelehnt an den Vater, der bei Goethe in wilder Hatz durch die düstere Nacht reitet (das Beitragsfoto zeigt den „Erlkönig“, ein Gemälde von Moritz von Schwind, 1804 – 1871). Als wir am 22.9. unseren vollehalle-Prototypen auf die Bühne geschickt haben, wollten wir, dass den Prototypen so viele wie möglich zu Gesicht bekommen. Und so arbeiten wir mit großem Einsatz daran, aus der Show, die jeder sehen soll, nun ein serienfähiges Produkt zu machen, das durch Deutschland rollen kann.

Denn die Idee unserer Show war von Beginn an, dass wir damit auf Tour gehen. Wir wollen mit unserer Show viele Menschen erreichen. Vor allem gerade diejenigen, die bislang wenig mit der Idee anfangen konnten, dass die Beschäftigung mit ökologischer und sozialer Gerechtigkeit etwas ist, das das Leben besser machen kann.

Vielleicht auch, weil manche bislang das Gefühl hatten, nicht gemeint zu sein, wenn es um die Verantwortung ging, die mit unserem Wohlstand und unserem Lebensstil einher gehen. Viele Menschen in Deutschland leben mit dem Gefühl, dass sie am Wohlstand nicht mehr teilhaben. Warum sollten sie sich darüber Gedanken machen, etwas davon an Menschen in fremden Ländern abzugeben, die schon heute von den Folgen unseres Wohlstands, unseres Lebensstils oder unserer Handelspolitik direkt betroffen sind? Man kann ja auch niemanden ernsthaft bitten, die Wäsche reinzuholen, weil sie die Fenster anderer Mieter verdunkelt, wenn acht Stockwerke darüber die Penthouse-Markise die Sonne verdeckt. Vielmehr: Man kann schon, man braucht nur nicht darauf zu hoffen, dass die Angesprochenen verständnisvoll reagieren.

Gerade deshalb brauchen wir einen anderen Diskurs über solche Fragen und vollehalle will dazu einen Beitrag leisten. Wir haben uns vorgenommen, den Prototypen im Laufe der kommenden Legislaturperiode so ins Laufen zu bekommen, dass wir damit regelmäßig in Deutschland auftreten. Dazu braucht es einerseits eine kontinuierliche Weiterentwicklung des Prototypen und andererseits Menschen, die uns dabei helfen, vollehalle auf die Bühne zu bringen und die Arbeit daran zu fördern.

Beides treiben wir gerade voran. Wir sprechen mit den Einen über ihre Kritik an der ersten Ausgabe und machen uns Gedanken darüber, wie wir sie in unser Konzept integrieren können. Und wir treffen die Anderen, die Kontakte haben zu Stiftungen und anderen möglichen Förderern. Uns ist bewusst, dass es noch eine Weile dauern kann, bis das nächste Mal das Licht ausgeht und die vollehalle-Eingangsmelodie startet.

Wir sind zwar ungeduldig, weil wir am liebsten gleich in der Woche nach dem Prototypen auf neuen Bühnen weitergemacht hätten. Aber wir bleiben gleichzeitig gelassen. Denn unser Erlkönig hat eine vielversprechende erste Fahrt absolviert, und deshalb sind wir überzeugt, dass er als überarbeitetes Serienmodell erst so richtig seine Wirkung entfalten wird.

Die Halle war voll, die Premiere war toll

Am vergangenen Freitag haben wir im CRCLR House in Berlin die erste Version von vollehalle auf die Bühne gebracht. Anschließend haben mich immer wieder Leute, die nicht dabei sein konnten, gefragt, wie es denn war. Es gibt darauf wohl zwei Antworten – aus Sicht derer, die die Show gemacht haben, und aus der Sicht der ZuschauerInnen.

Für uns ist der Abend großartig verlaufen. Die Location hat wunderbar gepasst, die Technik hat 100% mitgespielt, das Team hat perfekt zusammen gearbeitet, die Halle war ausverkauft, und wir haben die Show genau so hinbekommen, wie wir sie uns gedacht hatten. (Zwei kleine Fehler hatten wir drin, aber die haben nur wir bemerkt – glaube ich!)

Letzteres – dass wir die Show so auf die Bühne gebracht haben, wie wir das wollten – war für uns zunächst mal ungeheuer wichtig. Denn noch am Anfang der Woche, als wir mit den ersten Proben begannen, fühlte sich das erstmal gar nicht an, wie es sollte – wir mussten noch hart an unserer Präsentation, an Überleitungen und an der Struktur arbeiten, um das „Feeling“ hinzubekommen, das wir erreichen wollten. Hinzu kommt: Nichts ist unbefriedigender als nach einer derartigen Show sagen zu müssen, dass dieses oder jenes nicht geklappt hat oder dass die Sache nicht so gelungen ist, wie sie sein sollte. Denn zum einen macht das natürlich keinen Spaß, und zum anderen weiß man dann gar nicht, wie man Feedback bewerten soll! Wir können aber sagen: Die Premiere von vollehalle lief genau so, wie wir uns das vorgestellt hatten. Und deswegen hatten Kai und ich auch großen Spaß während der Show! (Nachtrag 25.10.2017: mittlerweile haben wir auch einen kleinen Trailer aus den Aufnahmen der Show gebaut.)

Besonders danken wollen Kai und ich vor allem auch dem grandiosen Team, das an dem Abend im Hintergrund alles möglich gemacht hat, insbesondere Boris Janowski (Show Manager), Nick Scholey (Musik, Sound, Licht) und Max von Klitzing (Kameras), Marco Di Cittalunga (Fotos, siehe oben) sowie den Firmen Rebeam und BeamAround.

Aus Sicht des Publikums war für mich am eindrücklichsten, dass ausnahmslos alle, mit denen ich direkt nach der Show und an den folgenden Tagen sprach, die Form und das Konzept der Show als sehr innovativ, unterhaltsam, gelungen und als wichtigen neuen Beitrag zur politischen Debatte beschrieben haben. Das hat mich sehr gefreut. Wildfremde Leute sprachen mich an der Bar im CRCLR House nach der Show an und meinten, dass sie einfach mal an mich loswerden müssten, wie großartig das gewesen sei. Andere riefen begeistert, die Show hätte gern noch eine Stunde länger so weitergehen können.

Aber es gab auch Stimmen, die fanden, die schnelle Taktung der Beiträge und die insgesamt sehr hohe Intensität hätten ein paar mehr ruhige Momente und „mentale Pausen“ nötig gemacht.

Zu den Inhalten ging die Spanne von „prinzipiell interessant, aber das weiß ich ja schon alles“ bis zu „supergut, vor allem für Leute wie mich, die sich mit sowas noch nicht so befasst haben, ein sehr inspirierender Abend“. Natürlich wird man es mit so einem Abend nie allen recht machen können. Und uns war schon klar, dass jemand, der regelmäßig die taz liest, politisch überdurchschnittlich interessiert und engagiert ist und tendenziell aus einem linksintellektuellen Milieu kommt, weniger Neues lernt als beispielsweise Geschäftsleute, die sehr beschäftigt sind, zu wenig von der Politik mitbekommen, im Bauch merken, dass die Dinge nicht mehr in Ordnung sind, und sich dazu mal einen komprimierten Abend wünschen.

Und jetzt? Kai, das Team und ich machen jetzt erstmal ein paar Tage Pause, sortieren die Gedanken und die Nerven und beginnen langsam, aber sicher die ersten Gespräche dazu, wo wir vollehalle als nächstes aufführen können. Außerdem werden wir einen kleinen 5-Minuten-Best-of-Film der Show zusammenschneiden, der uns hoffentlich dabei helfen kann. Wer Ideen hat, wo wir vollehalle aufführen sollten, kann sich sehr gern bei uns melden! Und wir denken natürlich auch darüber nach, wie wir die Sache weiterentwickeln können. Auf dieser Seite werden wir auch künftig davon berichten, wie sich die Dinge entwickeln.

Bis dahin aber erstmal: allergrößten Dank an alle, die bei der Premiere dabei waren und daraus einen unvergesslichen Abend für uns gemacht haben!

Wegbeschreibung

Für alle, die am Freitag mit dabei sind, haben wir noch eine kleine Wegbeschreibung und die obige Karte vorbereitet, weil das CRCLR House nicht so ganz leicht zu finden ist:

Die Adresse des CRCLR House ist Rollbergstraße 26, aber es ist einfacher, bei Google Maps die Rollbergstraße 37 einzugeben. Wenn man auf dem Weg dorthin von der Karl-Marx-Straße aus die Rollbergstraße hochfährt oder hochläuft, kommt auf der rechten Straßenseite nach Hausnummer 24 zunächst eine Hofeinfahrt, wo auch der Club SchwuZ zu finden ist. Daran muss man vorbei und weiter an einem langen Gebäude entlang. In diesem Gebäude findet vollehalle statt. Nach ca. 70 m geht nach rechts eine Auffahrt hoch, dort muss man hochlaufen, man kommt auf eine Art Freifläche, und dann muss man nach rechts biegen, und sieht den Eingang des CRCLR House rechts oberhalb. Die Treppe hoch zum Eingang ist aus gestapelten Europaletten gebaut.

Für die, die mit dem Auto kommen: parken lässt sich in der Rollbergstraße leider nicht ganz so gut, da müsst Ihr in den umliegenden Straßen gucken.

Übrigens: vollehalle ist ausverkauft – vielen Dank dafür, dass Ihr so zahlreich seid!

Einlass ist ab 19:30 Uhr, um 20:00 Uhr wollen wir anfangen. Bis Freitagabend — wir freuen uns sehr!

Von einem Häuschen im Grünen zu vollehalle

In diesem kleinen Häuschen hat im April alles angefangen und in diesem kleinen Häuschen ist in den vergangenen vier Tagen eine Keynote-Datei mit knapp 140 Einzelseiten und 2 Gigabyte entstanden.

Als Martin und ich uns hier am Wochenende vor Ostern einschlossen, fragten wir uns: Eine Bühnenshow mit politischen Inhalten – wie kriegt man die so hin, dass daraus keine Aneinanderreihung von Statements und Klagemauersteinen wird? Wie können wir unsere Wut und unser Unverständnis so verpacken, dass es Spaß macht, dabei zuzuhören? Darüber, dass wir uns ständig nur von Scheinlösung zu Scheinlösung retten, dass wir die Probleme, die sich uns stellen, einfach so weit aus unserem Sichtfeld schieben, bis wir sie hübsch vergessen können,  und darüber, dass wir uns in der Illusion wiegen, es sei schon alles irgendwie in Ordnung, weswegen wir uns auch keine großen Gedanken um unseren Lebensstil, unsere Verantwortung und unser eigenes Engagement machen müssen. Klimawandel, Flüchtlingsströme, Angstmacher von rechts – wir können doch nicht länger so tun, als gehe uns das alles nichts an, abseits von hochengagiert geteilten Facebook-Postings. Und zuletzt: Wie machen wir das eigentlich – eine eigene Show organisieren, von der wir im Vorhinein niemandem recht erklären können, was wir vorhaben, weil wir davon ja selbst noch keine präzise Vorstellung haben?

Aus dem Häuschen im Grünen bei Braunschweig reisten wir damals ab mit drei einigermaßen konkreten Ideen: „Bestandsaufnahme 2017: Was sind die wirklichen Aufgaben und Herausforderungen für eine neue Bundesregierung?“ Oder: „Große Reportagen: Wir bemühen uns, bis zur Veranstaltung wirklich große exklusive und auch bildlastige Geschichten zusammenzustellen, die einen Blick auf die Welt erlauben, wie man ihn sonst nicht bekommt.“ Oder: „Die großen Fragen: Anstatt uns mit Tagesgeschäft und kleinen politischen Ideen zu befassen, reden wir über fundamentale Fragen unserer Zeit und richten den Blick auf die Überlegungen strategischer Denker: zu unserem Wirtschaftssystem, zu Ökologie, Fairness oder Gerechtigkeit. Wo liegen die grundsätzlichen Übel verborgen, was können wir gegen sie tun?“

Heute können wir sagen: Die Premiere von vollehalle ist eine Mischung aus allen drei Ansätzen geworden. Wir werden Filme und Clips mit unseren GesprächspartnerInnen zeigen, die illustrieren, wo und warum es uns nicht gelingt, die wirklich wichtigen Debatten zu führen. Wir werden Texte und Bilder auf die Bühne bringen, die uns in Weltregionen führen, in denen sich Menschen entschieden haben, sich nicht länger Raubbau zu betreiben an den Grundlagen ihres eigenen Lebens. Wir wollen wissen: Taugen ihre Gesellschaftsentwürfe als Vorbild für unser Leben hier? Wir werden auf der Leinwand Menschen zu Wort kommen lassen, die auf ihren Feldern – und das ist zum Teil sogar wörtlich zu nehmen – über die destruktiven Kräfte in unserer Wirtschaft oder über die Notwendigkeit nachgedacht haben, die Demokratie wieder von unten, aus der Mitte der Gesellschaft heraus gedeihen zu lassen. Und wir werden dank der Einsichten, die sie gewonnen haben, unser Publikum zu neuen, überraschenden und inspirierenden Antworten auf die Fragen unserer Zeit mitnehmen.

Schon jetzt ist vollehalle für uns und alle Beteiligten – wir sind ja längst nicht mehr nur zu zweit – ein großes Abenteuer. Inzwischen sind knapp 160 Tickets verkauft, 40 Plätze sind noch zu vergeben (hopp, hopp). Zum ersten Mal in unserer Berufsbiographie können wir jetzt direkt mit und zu Menschen sprechen über unsere Vorstellung davon, wie wir als Gesellschaft auf das reagieren müssen, was sich gerade vor unser aller Augen abspielt. Und jetzt sind wir gespannt, wie die darauf reagieren werden.

In einem erschütternden Artikel hat David Wallace-Wels, Redakteur des New York Magazine, neulich die Ergebnisse seiner Gespräche mit zahlreichen Klimaforschern zusammengetragen. Eine seiner Erkenntnisse: „Selbst wenn man einsieht, dass wir die natürliche Welt bereits unwiederbringlich verwüstet haben, ist es noch einmal etwas anderes, dass wir das Ganze nur provoziert haben, indem wir zunächst aus Unwissenheit und dann, weil wir es nicht wahrhaben wollten, ein Klimasystem geschaffen haben, das jetzt für viele Jahrhunderte gegen uns in den Krieg ziehen wird, um uns am Ende vielleicht zu vernichten.“

Klimaforscher haben errechnet: Es bleiben uns noch zwanzig, vielleicht 30 Jahre, um die schlimmsten Auswüchse dieses Krieges zu verhindern. vollehalle ist einerseits ein flammender Appell dafür, die Situation so ernst zu nehmen, wie es ihr gebührt. Und andererseits ein Plädoyer dafür, zu erkennen, dass wir die große Chance haben, dadurch sogar zu einem glücklicheren Leben zu finden. Heute in einer Woche werden wir zum ersten Mal beweisen, dass das kein Widerspruch sein muss. Und danach, so hoffen wir, seit wir im April das Häuschen hinter uns zugesperrt haben, noch viele weitere Male.